Wir sind der

Waldkindergarten

Adeliges Holz e.V.

Bilder

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Konzept

Konzept des Waldkindergartens Adeliges Holz e.V. Thänhuser Holtkinners

ln unserem Konzept beziehen wir uns immer wieder auf den „Orientierungsplan für Bildung und Erziehung des Niedersächsischen Kulturministeriums“, der 2006 an alle Kindertageseinrichtungen und interessierte Eltern herausgegeben wurde. In diesem für die Einrichtungen verbindlichen Orientierungsplan werden alle wesentlichen Themen behandelt, die das Gerüst für die Arbeit mit 3-6jährigen Kindern bilden.

 

I. Was ist uns bei der Arbeit mit Kindern im Waldkindergarten wichtig?

 

Wir wollen:

•    gemeinsam lachen und Spaß haben.

•    Neugierde wecken und erhalten.

•    gemeinsam mit Freude lernen.

•    entdecken und forschen.

•    Erfahrungen mit den Naturelementen machen.

•    viel draußen sein.

•    uns viel bewegen.

•    uns gegenseitig zuhören und erzählen.

•    gemeinsam spielen und arbeiten.

•    uns einen Ort schaffen, an dem wir Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit erfahren.

•    den Respekt vor der Natur und Naturverbundenheit fördern.

•    vor allem Zeit für alles haben.

 

II. Was bietet der Waldkindergarten, um die Themen, die wir als wichtig erachten, zu verwirklichen?

 

Thema Zeit Viel Zeit und Raum für freies Spiel!

•    Im freien Spiel können die Kinder ihre Fantasie ausleben, Erlebtes kann hier nachgespielt und verarbeitet werden, Kreativität kann sich entfalten, Sprache und Gefühle können ausprobiert und ausgedrückt werden.

•    Als Gegengewicht zu einer zunehmend verplanten und terminierten Freizeit möchten wir den Kindern Zeit geben, um eigenen Ideen und Interessen nachgehen zu dürfen.

•    Kinder lernen im vermeintlich unbeobachteten Spielen, eigene Regeln aufzustellen, Selbstständigkeit, Verantwortung und das Aufstellen und Anwenden von Problemlösungsstrategien.

•    Aus dem Orientierungsplan für Bildung und Erziehung des Niedersächsischen Kulturministeriums, Seite 37: „Spiele sind die tätige Auseinandersetzung des Kindes mit seiner inneren und äußeren Umwelt und ein „Begreifen“ von Zusammenhängen mit allen Sinnen...“ und weiter: „Das Kind benötigt zum Spielen Zeit und eine vertraute Umgebung, in der es sich sicher fühlt.“

 

Thema Erfahrungen und Entdecken Der Wald bietet eine natürliche Umgebung mit Material in Hülle und Fülle!

•    Kinder nehmen ihre Umwelt mit allen Sinnen wahr: Fühlen, Sehen, Schmecken, Riechen, Hören, über den Gleichgewichtssinn. Sie erleben Sinneserfahrungen aus erster Hand, nicht künstlich erzeugt: Wie unterschiedlich fühlt sich Rinde an, wie weich ist das Moos, wie kalt ist der Wind heute, welcher Vogel singt dort... Jede Jahreszeit bringt unterschiedliches Wetter, Farben, Geräusche, Gerüche mit sich. Der Wald verändert sich ständig und bietet den Kindern einen immer neu zu entdeckenden Erlebnisraum.

•    Die Kinder sind im Waldkindergarten bewusst und unbewusst den Elementen ausgesetzt, machen Umwelterfahrungen, begreifen Zusammenhänge in der Natur, lernen die Natur als Lebensraum für Pflanzen und Tiere kennen, den es zu schützen gilt. Wir wollen ihnen ein Gefühl für Nachhaltigkeit mitgeben, dass es wichtig ist, mit der Natur gut umzugehen.

•    Es ist keine Reizüberflutung vorhanden: Die natürliche Umgebung erzeugt Entspannung und Freude. Den Elementen ausgesetzt zu sein kann körperlich anstrengend sein, schafft aber auch Ausgeglichenheit.

• Aus dem Orientierungsplan für Bildung und Erziehung des Niedersächsischen Kulturministeriums, Seite 28: Die Begegnung mit der Natur läßt die Kinder „teilhaben an einer realen Welt, die nicht didaktisch aufbereitet ist und bietet die Chance zum Erwerb von Weltwissen, Forschergeist und lebenspraktischen Kompetenzen.“

 

Thema Bewegung und Ruhe Der Wald bietet viel Raum für Bewegung, aber auch Rückzugsmöglichkeiten!

•    Der Wald bietet einen vielfältigen und natürlichen Bewegungsraum, es gibt kaum künstlich hergestellte Bewegungsmöglichkeiten: unebener Waldboden, Kletterbäume, Holzstapel zum Runterspringen, Baumstümpfe zum Drüberspringen, Graben zum Runterrutschen und wieder hochziehen, Baumstämme zum Balancieren, Äste zum Tragen, Ziehen, Schieben... Im Waldkindergarten können die Kinder ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben. Der Wald bietet Anreiz zum Bewegen, er macht Lust auf Bewegung.

•    Kinder erfassen und verstehen ihre Umwelt durch Bewegung. Sie nehmen ihre Umwelt weniger mit dem Kopf, sondern mit all ihren Sinnen wahr. Durch Bewegung erfahren Kinder einen Raum. Sie erproben ihren Körper, lernen mit ihm umzugehen und ihre Grenzen kennen. Sie entwickeln ein eigenes Ich, ein Selbstwertgefühl und erfahren Lust und Freude an der eigenen Kraft. Durch Bewegung setzen sie sich in Beziehung zu anderen (sich vergleichen, sich messen, Siege verarbeiten, Niederlagen ertragen). Sie lernen Ursache und Wirkungszusammenhänge kennen.

•    Regelmäßige Spaziergänge und tägliche Lauf- und Bewegungsspiele verbessern die Kondition der Kinder. Die Kinder bekommen einen sicheren Stand und Gang! Koordinationsfähigkeit, Grob- und Feinmotorik werden gefördert durch die vielfältigen Möglichkeiten im Bewegungsraum Wald.

•    Bewegung ist ein wesentlicher Faktor der Gesundheitsprävention: Das Immunsystem und das Herz-Kreislauf-System wird gestärkt, die Kinder sind weniger unfall- und krankheitsgefährdet. Bewegung gilt auch als eine Form der Streßbewältigung.

•    Aus dem Orientierungsplan für Bildung und Erziehung des Niedersächsischen Kulturministeriums, Seite 18: „ Bewegung ist das Tor zum Lernen und hat im Zusammenspiel mit der Wahrnehmung eine Schlüsselfunktion für die Entwicklung. Deshalb liegt bei der Förderung kindlicher Kompetenzen ein besonderer Akzent auf Bewegung.“

•    Dem Waldkindergarten Adeliges Holz steht ein relativ großes Gelände zur Verfügung, auf dem sich die Kinder frei bewegen können. Das Gelände wird umgeben von Wegen, so dass die Kinder eine Orientierung bzw. eine Begrenzung haben. Wenn sie z.B. zum Kletterbaum auf der anderen Seite des

Weges möchten, müssen sie die Erzieherinnen fragen. Es gibt also überall Ecken, wo die Kinder alleine oder zu zweit/zu dritt ungestört spielen können. Besonders beliebt sind verschiedene Rückzugs-/Spielorte: der Holzstapel, die Höhle, der Sandberg, der Bauwagen, das Piratenschiff... Die Kinder erhalten die Möglichkeit, sich zu erholen, zu träumen, Erlebtes zu verarbeiten. Bei Konflikten können sie sich eine Zeitlang aus dem Weg gehen, um danach wieder ins Spiel einzusteigen.

 

Thema Rituale und Regeln

•    Tägliche Rituale lassen die Kinder als Gesamtgruppe im Sitzkreis Zusammenkommen: Beim Morgenkreis, Frühstück und Abschlusskreis ist Zeit zum gegenseitigen Erzählen und Zuhören, Konflikte werden besprochen, Erlebtes reflektiert. Die Kinder werden an Entscheidungen beteiligt, Regeln gemeinsam besprochen. Rituale sind wichtig für Kinder, sie geben ihnen die nötige Sicherheit und eine zeitliche Orientierung im Tagesverlauf. Der Sitzkreis kann mit einem Tarp (Zeltplane) abgehängt werden, so dass wir bei jedem Wetter dort sitzen können.

•    So wie der Tagesablauf nach festen Ritualen gegliedert wird, ist auch das ganze Kindergartenjahr nach immer wiederkehrenden Festen strukturiert und geben dem Kind Anhaltspunkte im Jahresverlauf und ein Gefühl für die Jahreszeiten. Wir begehen mit den Kindern folgende Feste:

September: Erntedankfest November: Laternelaufen/Lichterfest Dezember: Nikolaus und Weihnachtsfeier Februar: Fasching März/April: Ostern

Mai/Juni: Kindergarten-Freizeit mit 2 Übernachtungen Juli: Abschluss-/Sommerfest

Diese Feste werden mit den Kindern zusammen vorbereitet und gestaltet. Die Vorbereitungen werden in den Vormittag integriert. Bis auf das Laternelaufen und das Abschlussfest finden die Feste auch vormittags statt.

Zum Laternelaufen, Weihnachtsfeier und zum Abschlussfest werden die Eltern eingeladen.

•    Für ein soziales Miteinander ist das Erlernen und Einhalten von Regeln wichtig. Einige Beispiele sind das Begrüßen und die Verabschiedung der Erzieherinnen per Handschlag, das Melden im Morgenkreis, höfliches miteinander umgehen, Pflanzen nicht beschädigen etc. Auch um die Sicherheit im Waldkindergarten zu gewährleisten müssen die Kinder bestimmte Regeln einhalten: nicht das Gelände verlassen, in Sicht- und Hörweite bleiben, an den Kreuzungen warten etc.

 

Thema Spielen Welche Spielformen gibt es bei uns im Waldkindergarten?

•    Am wichtigsten ist uns das „freie Spiel“ (siehe oben): „Freies Spiel“ bedeutet, die Kinder spielen ohne Anleitung von Seiten der Erzieherin. Die Kinder bestimmen Ort, Dauer und Handlung selbst. Das Freispiel verfolgt keinen Zweck, es ist offen für Entwicklungen, jede Entwicklungsstufe findet Platz. Kinder bauen soziale Beziehungen im Spiel auf, gestalten sich ihre Welt mithilfe ihrer Fantasie nach ihren Vorstellungen. Das Kind bestimmt sein Tempo selbst. Das Spiel hat einen hohen Stellenwert im Kindergarten. Spielen bedeutet Lernen. Kinder lernen im Spiel Basis- oder Schlüsselkompetenzen, die wiederum Grundstein für das spätere schulische Lernen sind. Basiskompetenzen sind:

•    Sprache

•    Soziale Kompetenzen

•    Emotionale Kompetenzen

•    Kreativität

•    Grobmotorik

•    Feinmotorik

•    Sinneswahrnehmung

•    Kognitive Fähigkeiten

•    Konzentration

•    Im Freispiel spielen die Kinder oftmals „Rollenspiele“ (Mutter-Vater- Kind; Dinosaurier, Arzt, etc.). Rollenspiele sind sehr wichtig für das Nachempfinden von Erlebtem, Aufbau von sozialen und emotionalen Kompetenzen, das Erkennen der eigenen Identität und seiner Geschlechtsidentität, das Sprechen lernen etc.

•    Auch „Konstruktionsspiele“ finden im Freispiel ihren Platz. Die Kinder bauen und gestalten mit unterschiedlichen Materialien: Sand, Matsch, Lehm, Wasser, Holz in seinen verschiedensten Formen, Schnee, Pflanzen, Papier, Pappe etc. Im schöpferischen Gestalten finden Kinder Konzentration und Selbstvertrauen, das heißt Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten.

•    In einer immer mehr konsumorientierten Welt wollen wir einen Ausgleich schaffen und die Kinder im Naturraum Wald dazu anregen, eigene Spiele zu erfinden, auf eigene Faust Dinge zu erforschen, und mit dem, was sie im Wald vorfinden, ihre Fantasie spielen zu lassen... Kinder brauchen nicht viel, um ins Spiel zu kommen, aber was sie brauchen, ist Zeit zum Spielen. Jedes Kind sammelt gerne Stöcke: Ein Stock wird geschnitzt, zum Schwert umfunktioniert, hat eine besondere Form oder Farbe, ist Rührlöffel beim Kochen spielen, braucht man zum Höhlen bauen und und und.

•    Natürlich gibt es bei uns auch Angeleitete Spiele, die ihren festen Platz im Tagesablauf haben und von den Kindern geliebt werden. Täglich spielen, singen, bewegen wir uns im Morgen- und Abschlusskreis. Täglich spielen wir Gruppenspiele mit der gesamten Gruppe: Hier lernen die Kinder täglich, fair zu spielen, Rücksicht zu nehmen und auch verlieren zu können. Spiele mit Gewinnern und Verlierern und reale Wettkämpfe werden immer wichtiger in einem Alltag mit Computern und Spielkonsolen. Kinder müssen sich messen können mit anderen, ihre Fähigkeiten einschätzen lernen und verlieren können. Im wahren Leben gehört Verlieren dazu.

•    Unsere Kinder dürfen kämpfen: Kinder messen sich häufig auf körperlicher Ebene. Sie wollen erfahren, wer geschickter, stärker, ausdauernder ist. Kleine wetteifern Großen nach und sind stolz, wenn sie etwas schaffen, was sie bisher nicht konnten. Sie lesen ihr „Großwerden“ darin ab. Kinder erleben Kampfspiele als besonders lustvoll. In der Regel achten beide Partner aufeinander!

•    Ein Schwerpunkt bilden bei uns auch die Beobachtungs- und Wahrnehmungsspiele: Alle Sinne werden angeregt, die Wahrnehmungsfähigkeit trainiert und die kindliche Neugier gefördert. Im Wald erfahren die Kinder viele Sinnesreize „aus erster Hand“: Regen und Wind auf der Haut, Rinde ertasten, Vogelstimmen hören, Insekten sehen... Der Wald bietet zu jeder Jahreszeit immer wieder Neues zum Entdecken, Erfahren, Experimentieren, Fühlen, Sehen, Hören, Schmecken, Riechen.

 

Thema Lernen Was bieten wir den Kindern zusätzlich an zum Erwerb von Grund-und Weltwissen?

• Waldspaziergänge: Regelmäßig machen wir uns nach dem Morgenkreis auf den Weg, um den Wald zu erkunden. Oftmals äußern die Kinder Wünsche, wohin es zum Picknicken gehen soll oder wir lassen uns „treiben“ und halten dort an, wo es den Kindern gefällt. Beim Spazieren gehen gelten bestimmte Regeln: Die Kinder dürfen vorlaufen, aber müssen in Sicht- und Hörweite bleiben. An Kreuzungen wird gewartet. An Kreuzungen wird auch abgestimmt, welchen Weg wir einschlagen. Um Tiere und Pflanzen zu schützen, gehen wir nicht von den Wegen ab.

Unterwegs finden die Kinder schon vieles, was sie zum Spielen benutzen können: Stöcke, Zapfen, Rindenstücke etc. Es gibt viel zum Angucken, Staunen, Betrachten. Der Wald verändert sich ständig, wir finden immer wieder Neues. Tiere und Pflanzen werden bestimmt, in Bestimmungsbüchern geblättert, Käfer in Becherlupen betrachtet. Auch finden sich immer wieder gefällte Baumstämme, auf denen balanciert werden kann, Bäume zum Klettern, Gräben zum drin herumlaufen. Bei Frost suchen wir gefrorene Pfützen zum Schlittern, bei Regenwetter besonders große Pfützen zum Brückenbauen etc. Der Wald bietet zu jeder Jahreszeit ganz viel Entdeckungsund Spielmöglichkeiten.

Selbstverständlich verlassen wir auch den Wald, z.B. wenn wir Kinder bei sich zu Hause besuchen, zum Schlittenfahren uns am Deich treffen, die anderen Kindergärten in Thedinghausen besuchen, dem Hufschmied bei der Arbeit zusehen oder zum Bauernhof wandern. Wir bekommen auch gerne Besuch, z.B. von anderen Kindergartengruppen, Schulkindern, der Polizei und der Feuerwehr.

 

•    Projekte: Oft erarbeiten wir mit den Kindern ein bestimmtes Thema auf vielfältige und ganzheitliche Art und Weise. Wir arbeiten auf verschiedenen Ebenen zu diesem Thema: Wir gestalten, lesen, singen, spielen, bauen und basteln zum Thema. Oft runden wir das Gelernte mit einem Ausflug oder Fest ab.

 

•    Angebot für angehende Schulkinder: Einmal wöchentlich findet im Waldkindergarten die „Piratenschule“ für die angehenden Schulkinder statt. Mit Bewegungs-, Bastei- und Lernangeboten zu bestimmten Themen fördern wir u.a. Grob- und Feinmotorik, Handlungsplanung, Sprache, Sachwissen. Die Gruppe der „Großen“ erfährt sich hier als eine besonders herausgehobene Gruppe, die das Selbstbewusstsein stärkt. Als Vorbereitung für die Schule dient aber auch der halbstündige Morgenkreis, in dem täglich das stille Sitzen, sich auf etwas konzentrieren, sich melden, das Zurückstellen eigener Bedürfnisse, aber auch das sich Einsetzen für eigene Ideen geübt wird.

 

•    Schwimmen: Einmal monatlich fahren wir mit allen Kindern zum Schwimmen ins Lehrschwimmbecken nach Kirchweyhe. Unter Anleitung eines ehrenamtlich tätigen ehemaligen Sportlehrers bekommen die Kinder regelmäßig (drei Jahre lang!) die Gelegenheit, sich behutsam an das Element Wasser zu gewöhnen. Der frühe vertraute Umgang mit Wasser nimmt den Kindern die Scheu und lässt sie später zu sicheren Schwimmern und Schwimmerinnen werden. Es gibt Sicherheit und wirkt sich positiv auf die kindliche Entwicklung aus: Schwimmen unterstützt die Unabhängigkeit und stärkt die Selbstständigkeit sowie das Selbstbewusstsein. Nebenbei werden lebenspraktische Kompetenzen geübt wie selbständiges An- und Ausziehen, Duschen, Abtrocknen etc. Neben dem Sportlehrer sind die beiden Erzieherinnen und teilweise Eltern für die Aufsicht zuständig.

 

•    Kochen: Einmal monatlich bereiten wir mit den Kindern eine warme Mahlzeit zu. Dabei erfahren die Kinder neben feinmotorischer und lebenspraktischer Fertigkeiten etwas über Lebensmittel, gesunde Ernährung und probieren Neues aus. Beim Kochen ist Zusammenarbeit gefordert, es muss geplant und mit Mengen hantiert werden.

 

•    Werken: Im Waldkindergarten gibt es viele Gelegenheiten zum Umgang mit echten Werkzeugen, unterschiedlichen Materialien und Werkstoffen. Handwerkliche und technische Fertigkeiten werden entwickelt, die sowohl Jungen wie Mädchen gleichermaßen beherrschen lernen können.

 

•    Angebote: Es gibt angeleitete Bastei-, Werk- oder Spielangebote mit kleinen Gruppen. Dabei achten wir auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Angebot und Freispiel, auf Bedürfnisse und Fähigkeiten des einzelnen Kindes. Jedoch arbeiten wir nicht nur „bedürfnisorientiert“: Zum Beispiel achten wir darauf, Kinder an einem Bastelangebot teilnehmen zu lassen, denen es schwer fällt oder keine Lust dazu haben. Feinmotorik und Konzentration werden hier geschult, das Selbstvertrauen gestärkt.

 

•    Kein Spielzeug: Im Waldkindergarten gibt es kein vorgefertigtes Spielzeug. Die Kinder spielen mit dem, was der Wald ihnen bietet. So kann ein Stock oder ein Holzpoller ganz viele unterschiedliche Dinge darstellen, über das sich

die Kinder immer wieder neu einigen müssen. Dies schult die Sprachentwicklung und das Sozialverhalten der Kinder auf sehr eindringliche und kindgerechte Weise. Was wir besitzen ist Sandspielzeug, Kindergesellschaftsspiele, Buntstifte, Tuschfarben, Bastelpapier, Werkzeug. Außerdem dürfen die Kinder an einem Tag in der Woche ein Spielzeug von zu Hause mitbringen.

 

• Kindergartenfreizeit: Einmal im Jahr (Mai oder Juni) fahren wir mit allen Kindern für zwei Tage und Nächte in ein Freizeitheim. Diese „Reise“ bringt die Kinder noch näher zusammen, sie erfahren sich in ihrer Gemeinschaft über einen längeren Zeitraum mit ganz alltäglichen Aufgaben im Tagesablauf, z.B. Zähneputzen, umziehen, schlafen gehen, Tischdienst etc. und bringt sie in ihrer Selbständigkeit einen großen Schritt voran.

 

III. Lernbereiche des Niedersächsischen Orientierungsplans für Bildung und Erziehung

Inwieweit decken wir die Lernbereiche des Orientierungsplans im Waldkindergarten ab?

 

•    Emotionale Entwicklung und soziales Lernen

In unserer verhältnismäßig kleinen Gruppe mit einem guten Betreuungsschlüssel (zwei Erzieherinnen für 15 Kinder) sind enge Beziehungen zwischen Erzieherinnen und Kindern möglich. Es bestehen gute Möglichkeiten zum Beobachten, bei Konflikten kann, wenn nötig, Hilfestellung gegeben werden. Im Wald ist Teamarbeit gefragt. Dadurch, dass es kein vorgefertigtes Spielzeug gibt, wird viel miteinander gespielt. Es gibt viel Zeit und Raum für Rollenspiele, hier wird ständig auf emotionaler und sozialer Ebene gelernt. Durch viel Bewegung entsteht ein positives Körpergefühl und damit auch zunehmendes Selbstvertrauen.

 

•    Entwicklung kognitiver Fähigkeiten und Freude am Lernen

Der Wald bietet sinnliche Wahrnehmung aus erster Hand. Beim Morgenkreis und unseren Angeboten werden kognitive Fähigkeiten auf vielfältige Weise geschult. Piratenschule und Projektarbeit gehen gezielt auf bestimmte Themen ein.

 

•    Körper-Bewegung-Gesundheit

Dieser Bereich bildet einen Schwerpunkt unserer Arbeit. Täglich bewegen wir uns sehr viel. Die Kinder machen ständig sinnliche und körperliche Erfahrungen, bekommen ein gutes Körpergefühl. Wir legen Wert auf ein gesundes Frühstück, das die Kinder von zu Hause mitbringen. Einmal im Monat kochen wir gemeinsam ein gesundes warmes Essen. Einmal im Jahr findet eine zahnärztliche Untersuchung durch das Gesundheitsamt statt, dann werden auch die Themen Zahngesundheit und Ernährung besprochen.

 

•    Sprache und Sprechen

Eine enge, wertschätzende Beziehung zwischen Erzieherin und Kind und eine vertrauensvolle Gemeinschaft bieten die Grundlagen für das Erlernen von Sprache. „Kinder lernen Sprechen im kontinuierlichen sozialen Kontakt und hier besonders mit Erwachsenen, zu denen sie eine gute Beziehung haben.“ (Orientierungsplan, S. 20). Musikalische und rhythmische Formen wie Lieder, Reime, Singspiele, verbunden mit Bewegung sind besonders wirkungsvoll, da sie den Kindern besonders viel Freude bereiten.

 

•    Lebenspraktische Kompetenzen

Beim Ausüben lebenspraktischer Fertigkeiten üben die Kinder ganz nebenbei verschiedene entwicklungsrelevante Fähigkeiten z. B. im Bereich der Kognition und Feinmotorik. Etwas selber zu können hebt das Selbstwertgefühl des Kindes enorm und motiviert. Wir nehmen uns die Zeit, Kinder „selber tun zu lassen“, sei es beim Toilettengang, beim Anziehen, Rucksack aus- und einpacken, Tee einschenken, Tisch abwischen, beim Werken etc. Beim monatlichen Schwimmbadbesuch üben die Kinder das selbständige An- und Ausziehen. Besonders das gemeinsame Kochen bietet viele Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten wie schneiden, abwiegen etc. Selbständigkeit und die Sicherheit, alltägliche lebenspraktische Herausforderungen altersgemäß zu bewältigen, stellen ein wichtiges Ziel dar in unserer pädagogischen Arbeit.

 

•    Mathematisches Grundverständnis

Im Wald finden sich viele Gelegenheiten zum selbständigen Experimentieren mit Masse/Gewichten, Längen, Flächen, Rauminhalten. Im Spiel mit Naturmaterialien führen die Kinder elementare mathematische Aktivitäten wie Sortieren, Vergleichen und Messen aus. Das Erfassen von Mengen und Raum-Lage-Beziehungen werden in die pädagogische Arbeit eingebunden. Täglich beschäftigen wir uns im Morgenkreis mit den Zahlen im Zusammenhang mit der Zeit (Uhrzeit, Wochentage, Monate, Alter, Jahre), mit den Zahlsymbolen und dem Zählen selbst.

Einmal im Jahr (über ca. 6-8 Wochen) gibt es ein Projekt „Zahlen, Mengen, Formen“ im wöchentlich stattfindenden Vorschulprojekt (Piratenschule). Dort beschäftigen wir uns auf verschiedenen Ebenen (mit Bewegungsspielen, gestalterisch, mit Liedern und mit Arbeitsblättern) ganz konkret mit dem Thema.

 

•    Ästhetische Bildung

Ästhetische Erfahrungen bilden eine Grundlage für den Aufbau kognitiver Strukturen. Das Tun steht im Mittelpunkt und nicht das fertig gestaltete Produkt. Im Waldkindergarten stehen Naturmaterialien wie Sand, Lehm, Matsch, Wasser, Pflanzenteile, aber auch Materialien wie Knete, Farbe, Kleister, Papier etc. zum schöpferischen Gestalten zur Verfügung. Es gibt Werkzeug zur Holzbearbeitung und insbesondere das Schnitzen mit Kinderschnitzmessern ist eine von den Kindern gern ausgeführte Tätigkeit, bei der sie ausdauernd und in sich versunken, aber auch kommunikativ mit anderen zusammen sein können.

Tägliches Singen unterstreicht besondere Rituale im Tagesverlauf und stärkt die Gemeinschaft in der Gruppe. Ab und zu kommen unsere Musikinstrumente zum Einsatz, gerne auch, wenn wir den Eltern kleine Vorführungen darbieten.

 

•    Natur und Lebenswelt

Dieser Bereich ist natürlich Schwerpunkt unseres Konzepts. Wir erfahren den Wald als ständig zur Verfügbarkeit stehenden „Fühl- und Erlebnisraum“, der den Forschergeist der Kinder stark anregt. Hier wird ein naturwissenschaftliches Grundverständnis erworben ohne didaktische Aufbereitung! Wir unternehmen auch gerne Ausflüge, die uns andere Lebenswelten nahebringen: Zum Bauernhof, zur Obstplantage, zum Nachbarschaftshaus, zum Baumpark und Eyter, zur Tischlerei, Polizei und Feuerwehr etc.

 

•    Ethische und religiöse Fragen, Grunderfahrungen menschlicher Existenz

Wir begleiten die Kinder bei ihren existenziellen Grunderfahrungen wie z.B. Glück und Trauer, Geborgenheit und Verlassenheit, Vertrauen und Angst. Wir helfen den Kindern dabei, Wertmaßstäbe und einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Religiöse Themen und Rituale haben ihren Raum bei der Gestaltung von Festen wie Erntedankfest, Weihnachten und Ostern. Wir geben Zeit für Reflexion und Fragen im Morgen- und Abschlusskreis, beim gemeinsamen Frühstück, beim Lesen von Bilderbüchern, bei Traumreisen und Stilleübungen.

 

IV. Kooperation

 

Mit wem arbeiten wir zusammen?

•    Der Waldkindergarten Adeliges Holz e.V. kooperiert mit den anderen Kindergärten der Samtgemeinde Thedinghausen. Es finden gegenseitige Besuche statt, regelmäßige Treffen der Leiterinnen zwecks Erfahrungsaustausch, gemeinsame Fortbildungen. Es findet auch ein reger Austausch mit anderen Waldkindergärten der Region statt: zweimal jährlich gibt es ein Regionaltreffen und ca. ein bis zweimal im Jahr ein Treffen aller Waldkindergärten Niedersachsens.

•    Wir arbeiten mit drei Grundschulen der Samtgemeinde (Thedinghausen,

Riede und Morsum) zusammen. Wir sind integriert in die jeweiligen Übergangskonzepte, so dass unsere angehenden Schulkinder einen guten Übergang vom Kindergarten in die Schule erfahren.

Insbesondere mit der Grundschule Thedinghausen finden im Rahmen des „Brückenjahres“ regelmäßige Treffen zwischen Schulleitung und Kindergartenleitungen statt, Elternabende für die Eltern der Schulanfänger werden teilweise gemeinsam vorbereitet und durchgeführt, Besuche der Kinder in der Schule organisiert. Gegenseitige Hospitationen und gemeinsame Fortbildungen mit Lehrkräften der Grundschulen verstärken die gegenseitige Akzeptanz und Anerkennung der jeweils anderen Ausbildung und der damit erworbenen Kompetenzen und vertiefen den Austausch. Ziel der Kooperation ist die Vereinbarung „gemeinsame(r) Strukturen und Verfahren, die es dem Kind ermöglichen, den Eintritt in die Schule angstfrei und freudig zu erleben,

sich in der neuen Umgebung schnell zu orientieren und seine Leistungsfähigkeit weiter zu entfalten.“ (Orientierungsplan, S. 46)

• Im Bedarfsfall wird mit Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe im Landkreis Kontakt aufgenommen wie z.B. der Erziehungsberatungsstelle, Jugendamt, Horizonte e.V. etc.

 

V. Aufgaben und Rolle der Erzieherinnen Die Erzieherinnen

•    sind für die Fürsorge und Aufsicht der Kinder verantwortlich.

•    sind Gesprächspartner der Kinder. Sie hören zu, sind echt, wertschätzend und einfühlend.

•    stellen Material bereit.

•    bereiten Angebote und Projekte vor und führen sie durch.

•    fördern die Selbständigkeit der Kinder

•    achten auf ein freundschaftliches, respektvolles Miteinander

•    lassen die Kinder vermeintlich „unbeobachtet“ spielen. Dabei    haben sie

immer alles im Blick. Für kurze Zeit dürfen Kinder ihrem Alter    und

Entwicklungsstand angemessen auch mal unbeobachtet spielen, z.B. am Kletterbaum, an der großen Pfütze, als Dinosaurier durch das Dickicht schleichen...

•    greifen nicht oder nur gezielt ins Spiel der Kinder ein, schaffen Spielanreize, regen die Fantasie an.

•    verstehen sich als Entwicklungsbegleiterinnen der Kinder, das heißt sie beobachten und dokumentieren. Die Dokumentationen dienen als Grundlage für Elterngespräche.

•    stehen täglich beim Abholen für kurze Gespräche mit den Eltern bereit, gehen auf Fragen der Eltern ein, führen Elternabende durch.

•    stehen im ständigen Austausch mit dem Vereinsvorstand, nehmen an Fachberatungen, Fortbildungen und Kooperationstreffen teil.

•    sind sich ihrer Vorbildfunktion bewusst.

 

VI. Aufgaben und Rolle der Eltern

 

Die Eltern

•    werden stark in das Geschehen des Kindergartens mit einbezogen. Die Mitarbeit bei Aktivitäten wie Festen, Ausflügen oder Projekten, bei der Öffentlichkeitsarbeit, bei Reparaturen im und am Bauwagen etc. wird vorausgesetzt und ist fester Bestandteil des Konzepts.

•    Jeden zweiten bis dritten Monat gibt es einen Elternabend mit Berichten der Erzieherinnen aus der Praxis, Organisatorisches wird besprochen, Feste und Ausflüge geplant, pädagogische Fragen erarbeitet. Auf die inhaltliche Gestaltung im Waldkindergarten können die Eltern Einfluss nehmen, Anregungen sind erwünscht.

•    Je nach Bedarf findet der Elternstammtisch statt. Hier ist viel Raum für allgemeine Erziehungsfragen, Erfahrungen, Privates. Eingeladen sind auch ehemalige und zukünftige Kindergarteneltern. Der Elternstammtisch findet bei Eltern zuhause statt.

•    In der Mitte eines Kindergartenjahres (Ende Januar, Anfang Februar) bieten wir allen Eltern die Möglichkeit zu einem Elterngespräch. Dort können wir über den jeweiligen Entwicklungsstand des einzelnen Kindes sprechen, gemeinsam Ziele und Maßnahmen festlegen. Elterngespräche können selbstverständlich auch jederzeit zwischendurch geführt werden, sobald Eltern oder Erzieherinnen einen Bedarf feststellen.

•    Die Innenseite der Bauwagentür wird als Pinwand für Elterninformationen genutzt.